Kein Moment, der mir noch bleibt

Foto: Jan Kreienkamp

Kein Moment, der mir noch bleibt

Schmeiß ́ an, den alten VW, den Du damals vom Papa geerbt bekamst… den mit den gemütlichen Sitzen, den mit den Kurbelfenstern. Den, in dem Du diesen einen Kuss gestohlen hattest… nach der einen Party, von der Du viel zu spät nach Hause kamst und Dich gar nicht getraut hast, den Schlüssel ins Haustürschloss zu stecken… so beseelt nach Kneipenrauch riechend und mit der ersten Liebe im flatternden Herzen. Schmeiß ́ ihn einfach an und erinnere Dich an diesen Moment… an diese Zeit, in der alles so endgültig und doch so verdammt einfach war. Jedes Gefühl so unfassbar groß, so sanft-zerstörerisch… Leon Muckes Debutalbum „Kein Moment, der mir noch bleibt“ ist dieses Gefühl der Gefühle, dieser Moment der Momente, konzentriert in acht Songs, die ehrlicher nicht sein könnten. Der junge Ausnahmekünstler, dessen Alter sein Werk nicht mal erahnen lässt, hat die ultimative Zeitmaschine für die Sinne erschaffen. Er spielt mit der lieblichen Agonie, mit der perfekten Symbiose von Wort und Klang so gekonnt, dass jeder Ton aus seiner Schmiede durchs Mark geht. Seine Texte sind imstande, jeden Zyniker wieder daran zu erinnern, dass das bittersüße Schöne überall ist.

„Kein Moment, der mir noch bleibt“ ist ein Album wie ein Technicolorfilm. Fast aristotelisch erzählt Leon Mucke eine Geschichte. Von „Weg von hier“, einem Song, in dem er, wie in einem Gebet an sich selbst, die Freiheit vor den eigenen, selbsterschaffenen Fesseln beschwört, über „Wir sehen uns da“, wenn die Erkenntnis reift, dass wir selbst Diejenigen sind, die diese Fesseln mühelos zersprengen könnten… bis hin zu „Dumbledore“ – eine melodische Momentaufnahme, ein besungenes Gedicht, welches genau da trifft, wo es nicht soll: in unseren hinter sieben Siegeln wohl beschützten Herzen, die wir alle eigentlich so sichtbar in unseren Gesichtern tragen.

„Kein Moment, der mir noch bleibt“ ist eine Reise in uns selbst – unprätentiös, voller Schmerz, Liebe, Verlangen und unbändiger Freude.

Schmeiß ́ an, den alten VW. Auch, wenn Du nicht wegfährst. Auch, wenn er nicht wegfahren kann. Schmeiß ́ ihn an. Im Geiste… mit Leon auf dem Beifahrersitz… und dem einen Freund, den Du selten anrufst, aber von dem Du weißt, dass er stets da ist: die Zeit. 

– Dilâra Baskıncı


Mitwirkende: Theofilos Fotiadis, Thorsten Sala, Nikolaos Rondelis, Andreas Herr, Apostolos Siopis, Max Klaas, Björn Krüger, Jan Röttger, Karolin Bechem, Eva Löser, Dagobert, Stefan Lenkeit, Jan Kortwig, Alex Auer, Martin Wenk, Daniel Hinzmann, Aaron Mucke, Ilona Ludwig, Stefan Mühlhaus, Julian Hanebeck, Christian Mohrhenn, Oliver Maikranz, Jan Kreienkamp